Dimitrij Kitajenko (Dmitry, Dmitri, Dimitri, Kitayenko, Kitaenko)
Kitajenko

Referenz in allen Belangen

Bisher gab es nur wenige Gesamteinspielungen der Symphonien von Sergej Prokofiew, obwohl jede einzelne Symphonie ein Kleinod darstellt. Mit der vorliegenden Aufnahme auf 5 CDs gibt es nun endlich diesen Zyklus in einer Interpretation, die rundum begeistert.

Dmitrij Kitajenko stellt das Werk und die Komposition in den Mittelpunkt seiner Interpretation. Deshalb können hier die Symphonien sozusagen "unverfälscht" erlebt werden. Die Struktur, rhythmische Besonderheiten und filigrane Details sind herrlich nachvollziehbar. Dies wird nicht zuletzt durch die vorbildliche Aufnahmequalität dem Hörer nahegebracht. Doch auch die Orchesterleistung erfüllt höchste Ansprüche. Spürbar spielen die Musiker mit größten Engagement, differenziert und präzise.

Diese Gesamteinspielung kann man nur in den höchsten Tönen loben. Sie stellt die Referenz in allen Belangen dar. Wer sich mit dieser Musik beschäftigen will, sollte unbedingt zu dieser Box greifen!

So geläufig der Name Sergej Prokofjew auch ist, sein Werk ist es abseits einiger weniger Dauerbrenner nicht. Von den sieben Sinfonien haben es nur die erste und fünfte ins Orchesterrepertoire geschafft – eine Gesamteinspielung wie diejenige des Gürzenich-Orchesters unter Dmitrij Kitajenko hat immer noch etwas von einer Pioniertat. Nach der Produktion der fünfzehn Sinfonien von Schostakowitsch folgt nun also der zweite große Zyklus, in dem das Kölner Ensemble dem Stab des erfahrenen russischen Dirigenten einvernehmlich folgt. Von der ohrwurmigen "Symphonie classique" bis zur kinematografischen Siebten tun beide Seiten sich und der Musik Prokofjews keinen Zwang an. Man hat das gute Gefühl, dass das Orchester nie an seine Substanz gehen muss und gewissermaßen schon im unteren Drehzahlbereich richtig auf Touren ist. Der Klang federt, drückt sich leicht und kraftvoll vom Boden ab, rhythmische und dynamische Bewegungen wirken selbst in massiveren Passagen ausgesprochen elastisch, scheinen ihren Impuls eher dem jeweiligen Augenblick als einer strengen Planung zu verdanken.
Weil Orchester und Dirigent Überzeichnungen vermeiden, kann man auch dem stilistischen Hin und Her des Komponisten problemlos folgen und über die ein oder andere kompositorische Pauschalität noch halbwegs vergnügt hinweghören.

Olaf Behrens, www.buch.de, April 2009

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