Dimitrij Kitajenko (Dmitry, Dmitri, Dimitri, Kitayenko, Kitaenko)
Kitajenko

"Die verstehen mich sofort"

Das Gürzenich-Orchester tut da wohl mehr oder weniger von sich aus das Richtige, und es ist dieser geschmeidige Klangsinn, der es Kitajenko zufolge auch und gerade bei dem neuen Projekt glücklich die Balance halten lässt zwischen einem harten Draufschlagen und jenem kitschnahen Schwulst, den die schlechte Tschaikowsky-Interpretation auffährt. Das zeigt auch die Aufnahme der emotional bewegenden, wenn auch konzeptuell problematischen "Manfred"-Sinfonie, dieser fiktiven musikalischen Biografie des Helden aus Byrons Dichtung. Sicher dürfen hier die Geigen schwelgen und trauern und hinsterben, aber der Klang wird eingebunden in eine genaue und lapidare Formkonzeption. Da vernebelt nichts, und sehr dramatisch ist die Darstellung obendrein. "Wärme" und "Eleganz" sind Eigenschaften, die Kitajenko selbst in hohem Maße eignen - als Musiker wie als personale Erscheinung. Beide verbinden sich bei ihm zu einer in dieser Form seltenen souveränen Herzlichkeit des Umgangs. Sein Credo: "Der Weg zur Musik geht ohne die Peitsche. Es kommt auf Herz und Erkenntnis an."

Das Tschaikowsky-Projekt macht den Russen in diesem Sinne geradezu lodern. Nicht nur die sechs Sinfonien, sondern auch die Ouvertüren und sinfonischen Dichtungen, dazu eine vom Komponisten nur fragmentarisch hinterlassene siebte Sinfonie möchte er, wenn es nach ihm ginge, mit den Gürzenichern machen. Woher dieses Sendungsbewusstsein, das sich auch durch Hanslicks und Adornos Negativurteile über den Künstler nicht beeindrucken lässt?

Weil die Musik Tschaikowskys, dieses "beliebtesten Komponisten der Welt", eben "nicht nur Musik ist, sondern das ganze menschliche Leben umfasst und gestaltet" - und das in einer luziden und perfekten klanglichen wie formalen Architektur, in der der Geist des großen Vorbilds Mozart weiterlebe.

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