Dimitrij Kitajenko (Dmitry, Dmitri, Dimitri, Kitayenko, Kitaenko)
Kitajenko

Gürzenich-Orchester mit sinfonischen Großprojekten

Für ein Orchester bedeutet es eine nicht unerhebliche Befriedigung, wenn eine Präsenz auf dem Tonträgermarkt seinen Rang bestätigt. Umso mehr, wenn sich in der Nachbarschaft bereits Entsprechendes abspielt. Was das Umfeld Kölns betrifft, so zeigen sich Städte wie Aachen und Bonn rührig, das Gürzenich-Orchester war es seit den Neunzigern mit James Conlon auch wieder. Doch die drei Jahrzehnte unter Günter Wand sind nur bescheiden dokumentiert, bei den Nachfolgern Yuri Ahronovitch und Marek Janowski wurde überregionale Wirkung kaum gepflegt. Glückhaft dann also die Zeit von Conlon, wobei es sich vorteilhaft auswirkte, dass für dessen Favorit-Komponisten Alexander Zemlinsky diskografisch Einiges nachzuholen war.Gegenwärtig laufen zwei Großprojekte: Gesamtaufnahmen der Sinfonien von Peter Tschaikowskij (Dmitrij Kitajenko) und Gustav Mahler (Markus Stenz). Kitajenko wurde 2009 zum Ehrendirigenten des Gürzenich-Orchesters ernannt, eine Auszeichnung, welche nicht zuletzt seinen guten menschlichen Kontakt zu den Kölner Musikern unterstreicht. Im kommenden März wird der Maestro mit Werken von Weber und Mozart die Programmatik seiner bisherigen Livekonzerte etwas erweitern, aber russische Musik ist und bleibt "die Welt, aus der ich komme", so Kitajenko jüngst im Interview mit einer bekannten Fono-Zeitschrift. Er beginnt seinen Tschaikowskij-Zyklus (Schostakowitsch und Prokofjew gibt es bereits) mit der etwas peripheren Manfred-Sinfonie. Durch ihren Rückgriff auf Weltliteratur (Lord Byron) ist sie noch mehr "grundsätzliche Programmmusik" als die bekannteren "Sechs". (...) Die musikalische Bildersprache der etwas mehr als einstündigen Sinfonie verlebendigt Dmitrij Kitajenko mit dem Gürzenich-Orchester in üppigen Pinselstrichen, findet aber auch und besonders im blitzenden Vivace-Satz (Schilderung der Alpenfee) zu bestechender Wirkung. Seine weiträumige Klangdramaturgie behindert nicht die Verwirklichung eines brillant-präzisen Spiels. Sonor klingen die Streicher; volltönend das Blech, das Holz erfreut mit schönen Soli, effektvoll machen sich die Percussionsinstrumente. Eine in sich stimmige Interpretation, die aus dem Vollen schöpft.

Christoph Zimmermann, rheinkultur 8/9 2010

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